Sketch zum Thema „Kaufen“
(Mann und Frau sitzen am Tisch. Mann liest Zeitung, Frau liest eine Illustrierte oder Zeitung)
Frau: (Während des folgenden Monologs des Mannes hört sie nicht richtig zu und gibt uninteressierte, zustimmende Laute von sich.)
Mann:
Guck mal, was hier steht: 3,4 Millionen Haushalten in Deutschland
sind überschuldet. Das gibt es doch gar nicht.
Das betrifft
ganze Familien, furchtbar.
Diese Leute kommen doch nie wieder auf
einen grünen Zweig.
Wie kann denn so etwas passieren?
Das
kann doch nur daher kommen, daß man mehr ausgibt, als man
einnimmt.
Die Leute kaufen, kaufen und kaufen und zack sind die
Schulden übergroß und dann ist Ende. Furchtbar.
Frau: (Blickt auf) Ach übrigens, ich treffe mich morgen mit einer Freundin, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Wir wollen Shoppen gehen.
Mann: (etwas erregt) Aber das ist genau eine Ursache des Problems.
Frau: (guckt irritiert) Problem? Wovon redest Du?
Mann:
Na die Überschuldung. Die Leute
betreiben das Kaufen als ein Vergnügen, und nicht nur, weil sie
ein paar notwendige Dinge brauchen.
Das ist nahezu dasselbe wie
Euer Shoppen morgen.
Frau:
(ärgerlich) Na, erlaube mal. Bisher habe ich uns noch nicht in
den Ruin getrieben.
Wir gehen halt ein bißchen Bummeln,
Schaufenster gucken und vielleicht holen wir auch ein paar
Kleinigkeiten.
Mann:
(beschwichtigend) Ja, so mein ich das ja nicht.
Aber ihr setzt
Euch durch Schaufenstergucken dem geballten Marketing der Händler
aus, welche Euch zum Kaufen von Dingen, die man oft gar nicht
braucht, verführen wollen.
Und oft klappt es ja, wenn ich
mir so Deinen Kleiderschrank angucke.
Frau:
(etwas pickiert) Nun übertreib' mal nicht. Das meiste davon
ziehe ich schon ab und zu an. Frauen brauchen halt ein bißchen
mehr Kleidung als Männer, außerdem will ich ja für
Dich schön sein (blinzelt ihn scherzhaft an).
Allerdings
bist Du ja auch nicht so ganz ohne, was das Kaufen angeht.
Mann:
(etwas überrascht) Wieso das?
Wo kauf ich denn nutzlose
Sachen?
Frau: Was hast Du nicht schon alles an eigenartigen Geräten aus dem Baumarkt mitgebracht? Die meisten davon probierst Du einmal aus und liegen sie irgendwo im Regal.
Mann: (etwas zurückrudernd) Ich mach' halt viel selber und da brauche ich auch verschiedene Werkzeuge. OK, manches brauche ich nicht so oft...
Frau: Oder mit welchem Interesse Du Dir die Prospekte von Bau- und Elektronikmärkten anschaust: Ich glaube, da setzt Du Dich noch schlimmeren, „geballterem“ Marketing aus, als das, was wir beim Shoppen erleben.
Mann:
Ich glaube nicht, daß man das vergleichen kann.
Ich treffe
mich ja nicht mit Freunden, um im Baumarkt shoppen zu gehen. Und so
sehr sprechen mich Prospekte auch nicht an.
Frau: Sag' mal: Ist in Deiner Zeitung der neue Aldi-Prospekt?
Mann:
(blättert etwas) Ah-ja hier. (will den Prospekt ihr gerade
geben, hält ihn dann aber fest; dann begeistert) Moment, am
Montag gibt es bei Aldi einen Laptop, geil.
Weißt Du, was
der alles kann??
© Peter + Sonja Schütt, Leichlingen, 2007